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Wer spricht
noch Daakaka?
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Bedrohte Sprachen

Nach einer Schätzung der UNESCO sind etwa zwei Drittel der weltweit mehr als 6000 Sprachen vom Aussterben bedroht. Bis Ende des 21. Jahrhunderts wird voraussichtlich nur noch höchstens die Hälfte dieser Sprachen existieren. Mit ihnen verschwindet ein Stück des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit.

Dokumentation bedrohter Sprachen: Das DoBeS-Programm

Können die Zeugnisse der bedrohten Sprachkulturen vor ihrem spurlosen Verschwinden bewahrt werden? Mit dem DoBeS-Programm unterstützt die VolkswagenStiftung seit über zehn Jahren weltweit Forscherinnen und Forscher unterschiedlicher Disziplinen bei der Dokumentation bedrohter Sprachen und bei der Entwicklung von Empfehlungen für Sprachdokumentation und Archivierung. Die Sprachen werden mit Tonband, Videokamera, Fotoapparat und Notizblock aufgezeichnet und in einem eigens dafür eingerichteten elektronischen Archiv am Max Planck Institute für Psycholinguistik in Nijmegen aufbewahrt. Im DoBeS-Projektverbund wird auch das Dokumentationsteam um Professor Dr. Manfred Krifka vom Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft in Berlin und der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin gefördert.

Die Heimat des Daakaka

Ambrym ist die fünftgrößte Insel des südpazifischen Staates Vanuatu. Etwa 7000 bis 10.000 Menschen leben auf der knapp 680 Quadratkilometer großen Insel. Geologisch gesehen ist Ambrym ein riesiger Vulkankegel. Im unbewohnten Inneren der Insel liegen zwei aktive Vulkankrater in einer großen, aufgrund der schwefelhaltigen Niederschläge fast vegetationsfreien Caldera (Vulkankessel). Daher lebt die Bevölkerung hauptsächlich an den fruchtbaren Küsten im Norden, Südosten und Südwesten. Untereinander haben diese Regionen nur wenig Kontakt.

Mindestens drei unterschiedliche Sprachen identifizierten die Forscher alleine im abgeschiedenen Südwesten der Insel. Eine davon ist Daakaka, das von weniger als 1000 der insgesamt rund 3000 hier lebenden Menschen gesprochen wird. Die Sprachen Südwest-Ambryms sind besonders gefährdet: Die aktiven Vulkane und der saure Regen drohen die Bevölkerung zu vertreiben. Und seit das Mobiltelefon die Insel erreicht hat, setzt sich Bislama, die auf dem Englischen basierende Verkehrssprache Vanuatus, immer stärker durch und verdrängt die lokalen Sprachen.

Daakaka bewahren

Soraya Hosni und ihre Kollegen wollen die Verwendung der Sprachen in vielfältiger Weise dokumentieren. Mit Mikrofon und Kamera nehmen die Forscher zum Beispiel Geschichtenerzähler auf, dokumentieren Sandzeichnungen, Lieder und Spiele oder Gerichtsverhandlungen und enträtseln die Begrifflichkeiten des komplexen Verwandtschaftssystems. Mit Hilfe der Einheimischen werden die Aufzeichnungen sorgfältig übersetzt und analysiert. Mit diesem Material wollen die Wissenschaftler später mehrsprachige, möglichst umfassende Wörterbücher und kleinere Schulbücher in den bedrohten Sprachen produzieren, die sie den Einheimischen zur Verfügung stellen.

Sandzeichnungen

Die Wissenschaftler werden auch eine einzigartige Kunstform in die Untersuchungen einbeziehen: Ambrym ist das Zentrum des Sandroing oder Sandzeichnens, das als eines von 90 UNESCO "Masterpieces of the Oral and Intangible Heritage of Humanity" anerkannt ist. Die Sandroing-Zeichner ziehen verschlungene Muster in den Sand, die meist wohl der Übermittlung von Nachrichten dienen oder sich auf Lieder, Tänze und Mythen beziehen. Die Bedeutung der Muster ist allerdings nicht mehr in jedem Fall bekannt.

Alle Episoden zu diesem Projekt


18.05.2011

Interview mit Soraya Hosni

Was die Anthropologin und Sprachenforscherin Soraya Hosni an ihrer Arbeit auf einer Insel im Südpazifik fasziniert und wieso sie beim Projekt sciencemovies mitmacht, verrät sie im Interview.
07.i
01.02.2011

Intro

Auf der Südseeinsel Ambrym wird eine der seltensten Sprachen der Welt gesprochen: Daakaka.
07.0
28.02.2011

Bedrohter Sprachschatz

Die südpazifische Sprache Daakaka droht auszusterben: nur etwa 600 Menschen sprechen sie noch. Gelingt den Bewohnern der Insel Ambrym die Rettung? Ein Forscherteam aus Berlin will helfen.
07.1
16.03.2011

Zweitvater in der Südsee

Die Anthropologin Soraya Hosni hat sich eng mit den Familien Ambryms befreundet. Nur so kann sie deren Sprache und ihre kulturelle Bedeutung ergründen.
07.2
30.03.2011

Forschung unterm Bambusdach

Wo können sich Dorfbewohner und Sprachforscher austauschen und voneinander lernen? Auf Ambrym fehlte bislang eine Begegnungsstätte. Ein engagierter Dorfchef baut ein Haus der Sprachen.
07.3
26.04.2011

Weibliche Sprachgenies

Eine überraschende Entdeckung gibt den Forschern Rätsel auf: Zerstören die sprachbegabten Frauen auf der Insel ungewollt die ursprünglichen Sprachen Ambryms?
07.4
23.05.2011

Brautpreis

Der schönste Tag im Leben – wenn das Geld stimmt. Bei der Hochzeit im Dorf bleiben die Brautleute Randfiguren. Bananen und Schweine stehlen ihnen die Schau.
07.5
24.06.2011

Tor zur Welt der Buchstaben

Wie kann das Daakaka gerettet werden? Bislang wurde es noch nie schriftlich fixiert und auch in der Schule nicht gelehrt. Ein Wörterbuch und gesammelte Geschichten sollen Abhilfe schaffen.
07.6
20.07.2011

Was wird aus Daakie?

Die Sprache Daakie sprechen auf Ambrym nur noch die älteren Bewohner, nun soll sie wieder erweckt werden. Dazu entwickeln die Berliner Sprachforscher erstmals eine Schriftform.
07.7
22.08.2011

Ornamente im Sand

Sie stehen unter dem Schutz der UNESCO: Ambryms Sandzeichnungen gelten als kultureller Schatz. Die Sprachforscher vermuten, dass sie schon früh zur Kommunikation der Insulaner beitrugen und eng mit der Lautsprache der Insel verwoben sind.
07.8
20.09.2011

Giftige Wolken

Über den Dörfern Ambryms thronen ihre Silhouetten: Zwei Vulkankegel erschweren das Leben auf der Insel. Denn sie verknappen das ohnehin rare Trinkwasser und vergiften die Niederschläge.
07.9
24.10.2011

Kinderspiele für die Zukunft

Nur wenn die jungen Bewohner Ambryms von den älteren lernen, wird ihre traditionelle Sprache Daakaka eine Zukunft haben. Dabei helfen Spiele, Lieder und Schulbücher.
07.10

Bildergalerie

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Soraya Hosni

Auf der Südsee-Insel Ambrym dokumentiert die junge Anthropologin Soraya Hosni zusammen mit ihren Kolleginnen Kilu von Prince und Susanne Fuchs die vom Aussterben bedrohte Sprache Daakaka. Die Wissenschaftlerinnen gehören zur Arbeitsgruppe von Professor Manfred Krifka am Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft in Berlin (ZAS).
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Die Anthropologin Soraya Hosni aus Berlin dokumentiert im Südpazifik eine der seltensten Sprachen der Welt.

Die anderen Projekte:


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